Herzfood | 7 Tipps für mehr Nachhaltigkeit
Jenni von Mehr als Grünzeug schreibt über 7 Dinge, die du sofort umsetzen kannst, um nachhaltiger zu leben
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7 Dinge, die du sofort umsetzen kannst, um nachhaltiger zu leben

Hallo, liebe Leser*innen von herzfood!

Fotocredits: Jennifer Hauwehde

Heute schreibt nicht – wie sonst – Bianca für euch, sondern ich. Ich bin Jenni und Bianca hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Beitrag für euch zu schreiben. Und wie ich Lust hatte! Liebe ich das Schreiben und das Schreiben gerade für andere doch sehr und kann ich doch vom Wortjonglieren und Fabulieren gar nicht genug bekommen!

Daher waren wir uns sehr schnell über einen Gastauftritt von mir in ihrem digitalen Wohnzimmer einig, sodass ich hier nun bin und für euch die Tasten klingen lasse.

Und dass ihr hier auf einem Artikel gelandet seid, der euch zeigen möchte, wie ihr mit ganz einfachen Veränderungen in eurem Alltag – einige davon sehr schnell, andere mit ein wenig Zeit umzusetzen – nachhaltiger leben könnt, ist kein Zufall.

Denn ich blogge über nachhaltiges Leben. Mein Projekt, das ihr auf meinem Blog Mehr als Grünzeug verfolgen könnt, heißt: zeigen, dass man als Durchschnittsmensch ohne ein halbes Vermögen und unendlich viel Zeit in der Tasche so leben kann, dass man sich guten Gewissens als „nachhaltig“ bezeichnen darf.

Dabei geht es nicht darum, es perfekt zu machen. Wichtig ist, anzufangen. Und genau darum soll es hier gehen. Ich stelle dir hier ein paar Ansätze vor, wie du noch heute an ein paar Stellschrauben drehen kannst, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

 

1. Alternative (Transport-)Verpackungen

Okay, ja. Richtig. Man mag es schon gar nicht mehr hören und will eigentlich sofort und unmittelbar die Augen verdrehen: Dass Plastiktüten böse sind, wissen wir mittlerweile. Die Medien haben das ja schließlich rauf und runter gebetet und endlich kommt auch mal was auf der gesetzlichen Ebene in Bewegung. Hat ja schließlich auch lange genug gedauert.

Aber weißt du eigentlich, warum Plastik so böse ist? Abgesehen von so diffusen Sachen wie Umweltverschmutzung und Wegwerfgesellschaft?

Ein paar Fakten:

  • Eine Plastiktüte, die du heute kaufst (und vielleicht am selben Tag wegwirfst) benötigt 400 Jahre, um sich in Kleinstpartikel zu zersetzen. Dann ist sie aber nicht weg – sondern Mikroplastik. Und das wiederum freut sich, über das Wassersystem in die Seen, Meere und Ozeane, dort in die Bäuche der kleinen und großen Fische und letzten Endes wieder auf unsere Teller zu wandern (vorausgesetzt, du isst Fisch). Lecker, nicht wahr?
  • Pro Kopf werden in Deutschland 24 kg Plastik im Jahr konsumiert. Das ist so viel wie das Gewicht eines ungefähr siebenjährigen Kindes!
  • Normales Plastik (da kann man sehr genaue Differenzierungen machen, aber das ist hier nicht der Gegenstand unseres Artikels) enthält etwa 600 Weichmacher. 200 von ihnen gelten als gesundheitlich bedenklich.
  • Die meisten großen Plastikproduzenten lassen nicht in ihre Zutatenlisten schauen: Firmengeheimnis. Was genau da eigentlich in deiner Plastikwasserflasche drin ist, weiß niemand.

So könnte das munter weitergehen – ich könnte auch noch über verendende Meeresschildkröten, Seevögel und so weiterschreiben. Aber ich glaube, das Problem ist deutlich geworden.

Aber wie sieht nun die Lösung aus?

Ganz einfach: Du verzichtest auf Plastik. Und damit meine ich nicht nur die Tüten, sondern auch so ziemlich alles andere. Das ist gar nicht so schwierig, wie du vielleicht denkst.

(WICHTIG: Du gehst nun bitte nicht an deine Küchenschränke und wirfst alle Tupperdosen auf den Müll. Dass das alles andere als nachhaltig ist, versteht sich sicherlich von selbst.)

  • Im Supermarkt/auf dem Wochenmarkt/unterwegs: Hier sind deine partner in crime der gute alte Jutebeutel, eine Wasser- oder Edelstahlflasche, ein paar Mehrwegbehälter (für Snacks, aber auch der mittlerweile prominente Coffe-to-go-Becher), sowie ein paar kleine Jute-Zuziehbeutel. Wenn du nicht gerade vorhast, in der Metzgerei einkaufen zu gehen, wo sehr strenge Hygienevorschriften gelten, wirst du in der Regel wenig Probleme bekommen, wenn du zum Beispiel beim Marktbesuch auf die Zusatztüte verzichtest und deinen Beutel oder dein Schälchen hinhältst. Für den Durst oder Hunger zwischendurch hast du mit deiner Grundausstattung, die du am besten immer im Rucksack griffbereit hältst, ebenfalls vorgesorgt (Leitungswasser ist übrigens viel besser als sein Ruf!).
  • Im Bad: Denke über die Anschaffung eines Rasierhobels (bei Weitem nicht so brutal wie der Name!), fester Seife und festen Shampoos zugunsten der Plastikverpackung nach. Verzichte auf Abschminktücher – normale Küchenöle (natürlich am besten in Bioqualität) funktionieren genauso gut und sind meistens wesentlich schonender. Und du weißt, was drin ist.
  • Saubermachen und Wäschewaschen: Hier ist dein Basic-Kit: Natron, Essig, Alepposeife und ätherisches Öl. Hieraus kannst du Waschmittel, Spülmittel und Reiniger herstellen – und zwar in wenigen Minuten! Wie das geht, sprengt allerdings diesen Artikel – du kannst dich im Internet oder entsprechenden Büchern dazu einlesen. (Und ich werde sicherlich auch bald dazu schreiben.)

Das sind nur ein paar Anregungen. Es gibt natürlich noch wesentlich mehr Möglichkeiten, aber hier kannst du auf jeden Fall beginnen. Falls du noch mehr Informationen über Plastik möchtest, lege ich dir diesen Artikel ans Herz.

 

2. Keine Lebensmittelverschwendung

Wir kennen es alle: Schnell nach Feierabend in den Biomarkt gehuscht, mit knurrendem Magen, und dies und das und jenes eingekauft – denn es schaut alles so lecker aus und schließlich bist du fest davon überzeugt, dass du das alles aufbrauchen wirst, hast schon ganze Menüpläne im Kopf.

Das Problem: Diese Pläne reichen meistens für eine halbe Fußballmannschaft und du wirst mindestens einen Tag in der Woche haben, an dem dir nicht der Sinn nach ausufernden Kücheneskapaden steht. Kurzum: Du kaufst zu viele Lebensmittel. Das ist Punkt eins, der zu Lebensmittelverschwendung führen kann, von der wir alle wissen, wie unmoralisch und unökonomisch und -ökologisch sie ist. Dass sie also am besten zu vermeiden wäre.

Das funktioniert unter anderem, wenn du dir unter anderem zu Beginn der Woche (gerne schriftlich!) Gedanken darüber machst, was du in der Woche essen möchtest und genau danach einkaufen gehst. Das am besten nicht mit hungrigem Magen, damit der Jagd- und Sammeltrieb nicht anspringt – und nach dem ausführlichen Studium deiner Vorräte. Was habe ich eigentlich noch zuhause? Was kann ich vielleicht als Ersatz für eine Zutat, die ich erst noch kaufen müsste, verwenden?

Wenn es denn doch einmal passiert ist und du dich zuhause mit vollen Jutesäcken und gleichzeitig vollen Regalen wiederfindest, ist das Kind (unabhängig vom übermäßigen Essen, bevor alles verdirbt) noch nicht in den Brunnen gefallen: Was spricht dagegen, das Überflüssige an andere zu verschenken? Oder es denen zu geben, die es sich nicht leisten können? Foodsharing ist derzeit im Kommen – mit Sicherheit gibt es auch Körbe in deiner Nähe. Oder du richtest einfach einen eigenen ein.

Wenn wir manchmal zu viele Lebensmittel zuhause haben, packe ich spontan alles, was wir in naher Zukunft voraussichtlich nicht essen werden, ein und bringe es zur örtlichen Tafel. Dort freut man sich über alles (noch Gute) und die Menschen, die dorthin kommen, brauchen die Lebensmittel dringend.

 

3. Woher kommt mein Essen?

Und wenn wir schon beim Essen sind – woher kommt das eigentlich?

Müssen die Bananen aus Panama sein, die Mango aus Indien, die Äpfel aus Neuseeland? Was hat hier eigentlich gerade Saison? Besorge dir einen Saisonkalender (analog zum in-die-Küche-Hängen oder auch als App) und achte beim Einkauf auf heimische Obst- und Gemüsesorten.

Oder – und damit schlägst du gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe – du abonnierst eine Gemüsebox. Die meisten Biobauern haben inzwischen den Service, dir einmal pro Woche frisches Obst und Gemüse vor die Haustür zu liefern. Ideal, wenn du wenig Zeit zum Einkaufen (vor allem nach Liste) hast und gleichzeitig lokale Anbieter unterstützen möchtest.

 

4. Und mein Strom?

Ein böses Wort: Atomstrom. Wollen wir den? Nee, nicht wirklich. Wie sieht die Alternative aus? Grüne Energie! Mittlerweile gibt es einige sehr gute Öko-Strom-Anbieter, zu denen du wechseln kannst. Hier ist wichtig, sich an vertrauensvolle Adressen zu wenden, denn auch unseriöse Firmen haben das Potential dieses Marktes für sich entdeckt und werben mit grünem Strom, der eigentlich gar keiner ist.

Ein Wechsel zum Beispiel zu Greenpeace Energy ist in 10 Minuten auf der Website erledigt, der Anruf und die Abmeldung bei den Stadtwerken ebenfalls. Dann noch die Zähler ablesen – fertig. Und an der Lichtqualität ändert sich auch nichts. Nur das Gewissen.

Achso – und dass du Strom sparen solltest im Sinne von Licht-nicht-unnötig-Anlassen und Vernünftig-Heizen, ist auch eine Grundvoraussetzung für einen niedrigeren ökologischen Fußabdruck.

 

5. Gebraucht statt gekauft

Wer sagt dir eigentlich, dass es das Buch, das du dir dringend wünschst, nur bei den konventionellen Großhändlern zu kaufen gibt? Und immer nur neu? Niemand. Und natürlich weißt du das auch – aber irgendwie lassen wir uns im Alltag immer wieder – schon fast maschinengesteuert – dazu verleiten, eben auf diesen Internetseiten auf den „Kaufen“-Button zu drücken. Woraufhin die Ware niegelnagelneu ins Haus geflattert kommt.

Dabei gibt es nahezu für alles mittlerweile einen riesigen Gebrauchtwarenmarkt – man muss in nur finden. Und sich mit dem Gedanken anfreunden, dass den entsprechenden Gegenstand schon einmal jemand vor mir besessen hat. Bei manchen Dingen ist das nicht unbedingt besonders schön (besondere Kleidungsstücke zum Beispiel), aber im Generellen gibt es doch eigentlich wenig dagegen einzuwenden, dass man Dingen, die der Besitzer nicht mehr braucht, ein neues Leben gibt, oder?

Anlaufstellen für gebrauchte Bücher aus Antiquariaten, aber auch von Privatpersonen, ist beispielsweise die Plattform booklooker. Auf Ebay, fairmondo und bei anderen Anbietern findest du ebenfalls viele Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs für dich – das spart Geld und schont die Umwelt. Dann gibt es noch einige Flohmarkt-Apps (auch hier ist der Markt im Wachstum begriffen), wie Shpock oder Swapper, die stetig wachsende Communities verzeichnen. Umschauen lohnt sich!

 

6. Verschenken statt horten

Eng mit Punkt 5 verbunden: verschenken!

Du hast doch sicherlich haufenweise Krempel (sind wir einmal ganz ehrlich), den du nicht brauchst und der eigentlich nichts Anderes tut, als herumzuliegen, einzustauben und auf den nächsten Umzug zu warten. Wo er dann mal wieder in die Hand genommen, eingepackt und wieder ausgepackt wird. Um wieder jahrelang in der Ecke zu stehen.

Das ist nicht nur blöd für deinen sicherlich begrenzten Wohnraum und deine Psyche (zu viele Gegenstände können alles andere als bereichernd sein), sondern irgendwie doch auch respektlos gegenüber dem Gegenstand an sich. Denn dieser hat eine Funktion, will gebraucht werden. Diese Funktion erfüllt er sicherlich nicht auf deinem Dachboden, sondern vielleicht in den Händen eines neuen Besitzers?

So, wie du für dich auf die Jagd nach Gebrauchtem gehen kannst, kannst du ebenfalls deine alten und aussortierten Teile anderen Menschen zugänglich machen – indem du sie (vielleicht über die oben genannten Plattformen) verkaufst oder eben verschenkst.

Mir persönlich (aber das ist eine ganz individuelle Sache) ist das Verschenken lieber. Denn zum einen bekommt man für die meisten Dinge, sofern sie nicht gerade das neueste IPhone sind, gebraucht beinahe nur einen symbolischen Preis, der den Aufwand fast nicht wert ist und zum anderen macht man damit Menschen glücklich, die sich die entsprechenden Gegenstände vielleicht nicht leisten können. Das ist ein sehr schönes Gefühl und ich kann nur jeden bestärken, sich das Verschenken anzugewöhnen – ob das an die Freundin, die Mama oder auch an den Bettler auf der Straße ist, ob man zur Caritas oder zum Roten Kreuz fährt und dort seine Sachen abgibt. Für mich ist das eine Sache der Menschlichkeit.

Auf der anderen Seite kann ich verstehen, dass man selbst kleine Beträge für die eigene Haushaltskasse gut gebrauchen kann oder man vielleicht Dinge loswerden möchte, die nicht so einfach verschenkbar sind, da der materielle Wert doch zu hoch ist.

Doch in vielen Fällen ist das Verschenken tatsächlich eine sehr gute Option, um glücklich zu werden und glücklich zu machen.

 

7. Fleisch ist so 2000 v. Chr.!

Spätestens zu dem Zeitpunkt gab es nämlich die ersten ethisch überzeugten Vegetarier. Abgesehen von der tierethischen Komponente, die für mich persönlich eine Kernmotivation ist, vegan zu leben, gibt es auch zahlreiche klimatheoretische und allgemein-ökologische Gründe für zumindest eine Reduktion des Fleischkonsums – wenn nicht sogar einen völligen Verzicht.

  • 32 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid produziert die Nutztierhaltung jedes Jahr und verschlingt dabei über 55% des gesamten Wasserverbrauchs der USA.
  • 1/3 der gesamten eisfreien Erdoberfläche wird für die Nutztierhaltung oder den Futteranbau genutzt. Würden stattdessen ausschließlich pflanzliche Lebensmittel angebaut, könnte man damit Millionen von Menschen ernähren.
  • Jedes Jahr werden schätzungsweise 90-100 Tonnen Fisch aus den Ozeanen gezogen. Die sind längst überfischt und empfindliche Ökosysteme drohen, aus dem Gleichgewicht zu geraten.
  • 91% der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes gehen auf Nutztierhaltung zurück. In diesem Zusammenhang sterben jeden Tag mindestens 137 Tier- und Pflanzenarten aus.
  • 6 Millionen Tiere werden jede Stunde für die Produktion von Lebensmitteln geschlachtet. Jede. Stunde.

Und so weiter. Leider ist die Liste hier ebenfalls eine, die sich noch viel weiter fortführen ließe. Der Gedanke an diese Zahlen, die wir uns gar nicht vorstellen können, zu deren Entstehen wir aber alle durch unsere Konsumentscheidungen beitragen, lässt mich jedes Mal aufs Neue schaudern. Ich habe für mich entschlossen, bei dieser kollektiven Zerstörung nicht mitzumachen – und bin vegan geworden.

Das musst du nicht auch unbedingt tun – wenn du bisher noch nicht darüber nachgedacht hast, Fleisch wegzulassen oder zu reduzieren, dann fang am besten klein an und arbeite dich Schritt für Schritt vor. Vielleicht isst du nun nur noch ein Mal pro Woche Fleisch und nächsten Monat schon nur noch alle zwei Wochen? Vielleicht stellst du ja fest, dass Pflanzenmilch auch sehr lecker und die pflanzliche Küche generell unglaublich kreativ ist?

 

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, anzufangen. Wichtig ist, dass wir uns nicht überfordern, dass wir nicht zu viel von uns und anderen verlangen – und den Spaß an der Sache niemals verlieren. Denn nur dann können wir sie erfolgreich und erfüllend durchziehen, für eine lange Zeit.
P.S.: Dich interessiert, wie groß dein aktueller ökologischer Fußabdruck ist und was du für dich ganz persönlich so richtig konkret tun kannst, um ihn zu verringern? Dann schau dir einmal deinen ökologischen Rucksack an!
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Falls dir dieser Artikel gefallen hat und du noch mehr Inspiration in dieser Richtung, aber auch ganz praktische Tipps und vegane Rezepte sowie ein paar gesellschaftskritisch-philosophische Gedanken von mir (und Mr. Grünzeug) lesen möchtest, dann freue ich mich, wenn du bei uns vorbeischaust!